Bühne

Was Sie hier erwartet:

2021 Romeo & Julia

Mehr Informationen zu "Romeo & Julia" hier...

Musical des Theaters Lichtermeer, Regie Timo Riegelsberger

Romeo und Julia - die Bühne der Welt, Musical von Timo Riegelsberger und Jan Radermacher für das Theater Lichtermeer, Hamburg

Romeo und Julia als Musical als Stück im Stück erzählt im viktorianischen London. Meine Lieblingsepoche konnte ich hier leidenschaftlich ausschmücken mit Tournüren an reich verzierten Kleidern und Fräcken mit hohen Krägen, historische Silhouetten mit asymmetrischen Freiheiten und teils modernen Stoffen und Mustern in der Rahmenhandlung. Die Aufführung im Stück sollte nach Montys unpassendem Geschmack  Showcharakter haben, völlig überdimensionale Formen mit glitzernd auffallenden Stoffen, schier unmöglich ein Shakespeare-Stück zu spielen. So hatte jedes Show-Kostüm die Vorrichtung zumindest etwas reduziert zu werden und praktikabler zu machen.

Das reiche Töchterchen Jules (Tiziana Turano), daß Schauspielerin werden will, wird von ihrer Mutter Lady C (Yvonne Disqué) in die abgehalfterte Theatertuppe des Monty (Jens Asche) eingeschleust mit dem Ziel ihr zu zeigen, daß sie kein Talent hat. Sollte sie es schaffen die Premiere zu spielen, ist sie von der Pflicht Fürst Paris zu heiraten befreit. Anfänglich nur von Ches (Nadine König) unter schützende Arme genommen trifft Jules abseits der Bühne auf Bill (Tim Grimme), der ihr verstecktes Talent mithilfe der Künste von Fortinbras (Bastian Kohn) herauskitzelt und selbst die stutenbissige Bibi (Jutta Scheffold) überzeugen kann. Die Zwillinge Ty und Balt (Benjamin Hauschild) beobachten und berichten Lady C, die es trotz perfider Intrige nicht schafft den Premierenausftritt ihrer Tochter zu verhindern. 

Sowohl für die Rahmenhandlung also auch für die Show habe ich ausschließlich Blusen, Hemden, Strumpfhosen, Hüte und Schuhe gekauft, die restlichen Kostüme sind komplett angefertigt. Vom Schnürmieder über mit Fransen- und Federborte bestückte Drappierungen, von Hosen nach historischem Schnitt über Wendewesten mit liebevoll ausgesuchten Knöpfen, von mit Korsettstäbchen gestärkten Frackkrägen bis hin zu teils überzogenen, teils bemalten Hüten, von überdimensionierten Revers und Manschetten bis hin zum Pferdekostüm aus Pappmaché auf Kaninchendraht-Konstrukt ist alles maßangefertigt und für mehr Tiefe in der Distanz patiniert.

Ursprünglich sollte das Stück in Steampunk-Art gestaltet werden, was sich jedoch in der Frühphase der Produktion bereits änderte. Als kleine Besonderheit für aufmerksame Augen habe ich jedoch bei jeder Figur das eine oder andere schon besorgte Detail in der ursprünglich geplanten Manier eingebaut, ohne daß es störend auffällt - ein kleines Geheimnis für Insider. So habe ich zB. Knöpfe mit kleinen Zahnrädern unterlegt und Schmucksteine an Jabots mit mechanischen Uhrenteilen kombiniert. Tatsächlich habe ich das bei Kostümvorstellung am ersten Probentag mit angeführt, und bei den ersten Anproben hat sich auch jedes Ensemblemitglied darüber gefreut diese Details an den Kostümen zu entdecken.

Auch bei diesem Kostümbild konnte ich die Hilfe meines Lieblingskollegen Sören Witt wieder in Anspruch nehmen.

2019 Der kleine Drache Kokosnuss

Mehr Informationen zu „Der kleine Drache Kokosnuss“ hier...

Musical des Theaters Lichtermeer, Regie Timo Riegelsberger

Eine musikalische Adaption der farbenfroh illustrierten Bücher von Ingo Siegner, immer in Absprache mit dem Autor. Das Flaschenland mittelalterlich inspiriert, frei und kindgerecht interpretiert.

Möglichst nah an die Illustrationen der Bücher heranzukommen war hier die Prämisse, wobei unsere Drachen Kleidung tragen sollten. So bekam Kokosnuss (Alexandra Haar) eine Latzhose, sein bester Freund Oskar (Larissa Heimbach) eine ärmellose Sweatjacke, seine Lehrerin Frau Proselinde (Sebastian „Gniechel“ Christ) ein Kleid in 60er Jahre-Anmutung, seine Klassenkameraden jeweils ein Flanellhemd und eine Jeansweste - Alles stets mit der Farbe ihrer Drachenhaut verschmelzend. Die Drachenkörper zu bauen war eine echte Herausforderung, da besonders Kokosnuss die ganze Stücklänge über auf der Bühne ist, dort dem Hitzestau im Schaumstoff trotzen und sich auch sehr viel bewegen können muß. Wohingegen die anderen Drachen besonders schnell selbst an- und ausziehbar sein müssen, da die Darsteller hier ja mehrere Rollen spielen und sich zT. blitzschnell hinter de Bühne umziehen müssen. Um Klettverschluß und 2cm große Drucker kommt man also hier nicht herum.

Die von Jan Rademacher wie immer liebevoll und detailliert gestalteten Puppen des Stachelschweins Mathilda (Nadine König), des Gespenstes Gerd, sowie der Zwerge aus dem Flaschenland und der von Ziegenbart (Sebastian Sohn) verzauberte Holunder (Gregor Le Dahl) werden von Darstellern bespielt, die ebenso teilweise mit der Puppe verschmelzen bzw. in einem mittelalter-ähnlichem Habit daherkommen.

2018 Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Mehr Informationen zu „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" hier...

Theater Lichtermeer, Regie Timo Riegelsberger

Die Illustrationen des Franz Josef Tripp standen hier Pate für die Umsetzung der Kostüme. Die heile Welt der abgeschiedenen Insel der 60er Jahre in Blümchen, Streifen und Melone sind der Ausgangspunkt für die Abenteuer über Drachen im Trenchcoat bis ins fernöstliche Mandala und wieder zurück.

Präzise ist mein Kostümbild für Jim Knopfs Abenteuer sowol von den Büchern von Michael Ende als auch der Augsburger Pupenkiste inspiriert, mit der ich aufgewachsen bin. Jim (Victoria Dias Santos) und Lukas (Mario Klampfl) sind gründlich rußig patiniert, während Frau Waas (Jana Koch) und Herr Ärmel (Bastian Kohn) so adrett daherkomen, wie nur möglich und König Alfons der Viertelvorzwölfte (Benjamin Hauschild) pelzverbrämt mit Knickerbocker und Burlingtonkaro-Pullunder.

Der Schaumstoffkörper vom Halbdrachen Nepomuk (Finja Harder) ist bezogen mit Nikisamt und schuppig bemalt, wohingegen die Spieler der restlichen Drachen geheimnisvoll im Trenchcoat einhertanzen. Frau Mahlzahn im strengen Gouvernanten-Habit wacht über Prinzessin Lisi und noch zwei weitere Kinder in Schuluniform, während in Mandala asiatisch anmutende Gewandung vorherrscht.

2017 Anna Göldi

Mehr Informationen zu „Anna Göldi“ hier...

Musical, Regie Mirco Vogelsang, Musik Robert D.C. Emery und Moritz Schneider

Die letzte Hexe prozessiert nach einer wahren Begebenheit, die Schnitte nicht ganz so wahr, historisch zwar, aber sehr frei interpretiert um Mystik zu erschaffen, Phantasie anzuregen. Hier erzählen Gehröcke mit Reißverschluß, Mieder mit Silberkordel geschnürt und asymmetrische Westen Geschichten, die auf der Bühne nicht gespielt werden.

Der deutsche Journalist Lehmann (Raphaël Tschudi) führt das Publikum in Rückblenden durch die Geschichte der Anna Göldi (Mascha Karell), die bei ihrer letzten Anstellung als Dienstmagd beim Glarner Fünferrichterichter Tschudi (Simon Schnorr) das Töchterchen Miggeli dazu gebracht haben soll in Gegenwart der Mutter Elsbeth (Eveline Suter) Nägel zu spucken. Daraufhin wird Anna entlassen und flieht mit ihrer verflossenen Liebe Melchior (Paul Ehrkamp) um anderenorts neu anzufangen. Die vermeintliche Hexentat spricht sich jedoch herum, Anna wird gejagt und vom Glarner Fünferrat unter Richter Tschudi beschlossen hingerichtet.

Lehmann entdeckt bei seinen Recherchen und Befragungen der Beteiligten (u.a. Roland Hermann, Marc „Cuco“ Dietrich, Marlen Oberholzer, Pia Lustenberger, Stephan Luethy, Wolfgang Postlbauer) Widersprüche und beweist letzlich: Annas Hinrichtung war ein Justizmord.

Bei diesem Kostümbild wollte ich der Absurdität dieser wahren Begebenheit Nachdruck verleihen und bin mit der historischen Schnittführung und den Materialien sehr frei und abstrakt umgegangen. So habe ich beispielsweise fast durchgängig asymmetrische Formen kreiert, wobei ich stets in Anlehnung an die epochale Kostümgeschichte gearbeitet habe. So gibt es teils nur einseitige Verzierungen, überdimensionierte Krägen, geteilte Metallreißverschlüsse als Paspeln, Kunstleder und Webpelz als Zierde an Neckholder-Westen, die für die Hauptcharaktere selbstversändlich abermals im Atelier meines Lieblings-Kollegen Sören Witt entstanden. Die Ensemble-Kostüme fand ich zum Teil wieder im Kostümfundus Kaiser, die ich selbstredend nur geringfügig und unbeschadet rückänderbar an meine Asymmetrien anpassen konnte. So habe ich zusätzlich das Internet nach alter Trachten-Kleidung durchforstet, die ich mit tatkräftiger Hilfe meiner Assistentin Ursula Blättler teils komplett neu gestaltet in mein Grundkonzept einfügen konnte.

2017 Robin Hood Junior

Mehr Informationen zu „Robin Hood Junior“ hier...

Musical des Theaters Lichtermeer, Regie Timo Riegelsberger

Der kleine Held Robin, das kleine Mädchen Marian, zu Tieren verwandelte Gefährten in einem Mittelalter-Abenteuer in Leinen, Leder und Metall.

Die beliebte spätmittelalterliche Sage wird hier erzählt aus der Warte des Helden Robin Hood (Valentino Karl) als kleinem Jungen, der, wie in der bekannten Erzählung das Mädchen Marian (Ebba Ekholm) aus der Gefangenschaft des bösen Sheriffs von Nottingham (Robert Missler) befreit. Dabei stets begleitet von seinen zu Tieren verwandelten Freunden Bruder Tuck als Bär, Will Scarlett (Dominik Niedermaier) als Wildschwein und Locksley (Bastian Kohn) als Eichhörnchen, die Puppen gestaltet von Jan Radermacher.

Klassisch in die Epoche gesetzt verschmelzen die Spieler der Puppen in mittelalterlicher Gewandung mit ihren Charakteren.

Für die maßangefertigten Kostüme habe ich möglichst authentische Stoffe gewählt wie Leinen, Wolle, Lederschnüre und Ketten und habe sie kombiniert mit gekauften Hemden und Hosen in Leinenoptik, während die Umhänge allesamt aus Leinenresten zusammengestückelt sind.

2016 Die Helvetische Revolution

Mehr Informationen zu „Die Helvetische Revolution" hier...

Freilicht-Schaupiel, Regie Mirco Vogelsang

Streng historisch korrekte Vorgaben umgesetzt mit kleinen Feinheiten der Farbsymbolik und Haptik der Stoffe, kleine moderne Geheimnisse versteckt in recherchierter Trachtenhistorie.

Französische Waffenröcke und Schweizer Uniformen aus dem Fundus hier und da kämpfen mit Maßanfertigungen, handrollierten Säumen und patinierten Leinenhemden um die Freiheit.

Die Helvetische Revolution ist eine historische Begebenheit mit. Dementsprechend hatte ich seitens der Produktion die Vorgabe ein streng historisches Kostümbild zu erstellen. Also wälzte ich Schnittbücher, besuchte ein historisches Archiv in Bern und recherchierte Abbildungen schweizer Trachten der Kantone zwischen Frybourg und Bern, um historisch so korrekt wie möglich arbeiten zu können. Für die Hauptcharaktere hatte ich selbstverständlich die Möglichkeit einige persönliche Freiheiten einzuarbeiten, nicht zuletzt um Sympathie und Nähe zum Publikum zu schaffen. So spielte ich viel mit Farben wie feurigem Rot für die Protagonistin Daphne (Annina Butterworth), unterkühltem Petrol für den Seckelmeister Karl Albrecht von Frisching (Roland Hermann), neben warmherzigen, braven Beigetönen mit kleinem Blumenranken-Muster für den Redakteur Peter Philipp Wolf (Moritz A. Sachs) und Details wie Knöpfen mit Rosen oder Pferden hier und da, Materialien wie kühnes rotes Leder nebst edlem Jacquard für Daphnes Geliebten André (Dimitri Stapfer), harmonierend mit weichem Wildleder für den Nationalhelden Heinrich Pestalozzi (Christoph Gaugler), grobem Leinen und edler Spitze für seine Frau Anna (Valérie Cuénod), feinem Wolltuch für den helvetischen Direktor Peter Ochs (Dominik Gysin) und seidig glänzendem Satin für Franziska Romana (Marlen Oberholzer). Die Neuanfertigungen fanden auch hier wieder teils in Hannover bei meinem geschätzen Kollegen und Freund Sören Witt und seinen Näh-Engeln statt, teils in den großartigen Werkstätten der Art Factory in Bratislava, Slowakei. Die Berner Uniformen sowie viele Kostümteile des Ensembles wie Röcke, Hosen, Hemden und Blusen und Schuhe habe ich bei Kostüm Kaiser, einem schier unerschöpflichen Fundus bei Basel leihen können. Und für das, was dann noch fehlte, hat meine wunderbare Assistentin Ursula Blättler zusammen mit unserer Praktikantin Astrid Riedi gefühlt alle Brockenhäuser im Radius von sicher 50km um Bern herum durchforstet.

2015 Das Dschungelbuch

Mehr Informationen zu „Das Dschungelbuch“ hier...

Theater Lichtermeer, Regie Timo Riegelsberger

Mogli in zerschlissenem indischen Habit umringt von tierischen Freunden und Gefahren in Kostümen angelehnt an die Mode um 1900, aus der Zeit der Entstehung der Bücher von Rudyard Kipling.

Mogli (Tamara Buchholz) ist ein kleiner Junge aus Indien. Also habe ich mich an der Silhouette einer indischen Tracht orientiert und sowohl Hemd also auch Hose stark patiniert um auszudrücken, wieviele Jahre der kleine tapfere Held schon im Dschungel überlebt. Das Basiskostüm der anderen Darsteller, die stets blitzschnell in verschiedene Rollen schlüpfen, besteht aus einer hochgeschlossenen, elastischen Hose und einem enganliegenden Hemd mit Knopfleiste, das an Unterhemden der Jahrhundertwende erinnert. Die Wölfe, bei denen Mogli aufgewachsen ist, tragen darüber mit Kokosfaser-ähnlich dekorierte Miedergürtel und kleine Umhänge aus Fell sowie Perücken aus dicken Wollfäden. Für die Affen habe ich tatsächlich historische Westen um 1900 gefunden, die ich farblich an Orang Utans und anderen Langhaaraffen nachempfunden habe, sowie die Perücken aus Jersey-Schnüren gestaltet. Balu (Helge van Howe) hat eine Stresemannhose, während Shirkans (Robert Missler) Ledermantel prächtig in Steampunk-Manier daherkommt. Kaa und die Geier treten jeweils als Puppen auf, die detailverliebt von Jan Rademacher gebaut sind.

2014 Die schwarzen Brüder

Mehr Informationen zu „Die schwarzen Brüder“ hier...

Musical, Regie Mirco Vogelsang

Italienische Maler der späten Romantik und des frühen Realismus’ inspirierten zur Schnittkonstruktion der Kostüme dieser historisch belegten Geschichte von Lisa Tetzner.

Farbenfrohe Lichtblicke des Kostümbildes auf dem Markt und in der Küche erhellen den schwarzen Ruß der Grausamkeit auf der Kleidung der kleinen Kaminfegerkinder.

Bei der Erarbeitung dieses Kostümbildes hatte ich für mich persönlich noch ein große Herausforderung zu bewältigen. Die Uraufführung der Schwarzen Brüder fand bereits 7 Jahre zuvor in der Schweiz statt, auch unter Mirco Vogelsang. Ich hatte damals die Ehre seiner einstigen Kostümbildnerin Erna Büchel zu assistieren, die seit 2012 leider nicht mehr unter uns weilt. So durfte ich zwar in große Fußstapfen treten, mußte und wollte mich aber von dem Uraufführungs-Kostümbild komplett lösen.

Wir wollten das Stück wieder historisch anmutend auf die Bühne bringen. So studierte ich Gemälde italienischer Maler aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - der Zeit, aus der die Überlieferungen über die verschleppten Kaminfegerkinder stammen. Diese Gemälde inspirierten mich nun in der Schnittgestaltung der Kostüme. Kleine Anzüge aus unterschiedlichen, groben Wollstoffen für die Spazzacamini Giorgio (Jasper Klein), Alfredo (Janko Danailow) und ihre anderen schwarzen Brüder, ihre Kaminfegermeister (Peter Zeug, Siegmar Tonk und Thorsten Tinney hier in den Hauptrollen) in schwarzen Holland-Leinen, die Zylinder zum Großteil alt und zerschlissen von diversen Dachböden Deutschlands zusammengeklaubt, giftig-grünes Leinen für die frustriere Frau Rossi (Maite Kelly) und ihren intriganten Sohn Anselmo (Andreas Röder), einen zarten Leinenbatist für die kränkelnde Angeletta (Sandra Pangl), in einer Trödel-Garage einige über 100 Jahre alte Leinenhemden gefunden, die die Wölfe (Tobias Brönner, Julia Waldmeyer, Claudia Funke, Tim Müller, Christopher Busse, Daniel Wernecke u.a.) unter ihren mit Nieten besetzten Westen tragen, das bunte Markttreiben um Carla (Conny Braun) und Elisa (Tina Podstawa) in Karostoffen und Streifenleinen eingefangen, die fröhlichen Szenen um Koch Paolo (Thomas Christ) und seine Magd Anna (Christiane Reichert) und den anderen Assistentinnen eingerahmt in klassischem blau/weißen Küchenkaro, die reiche Junfger (Fabienne Hesse) in hoffnungsvollem Grün verschmilzt auch in dieser Version mit ihrem Damast-Sofa.

Hier kam kein Fundus zum Einsatz, alle Kostüme wurden neu angefertigt - die Hauptdarsteller in Hannover bei meinem geschätzen Kollegen und Freund Sören Witt und seinen Näh-Elfen, der Rest des Ensembles ist in den großartigen Werkstätten der Art Factory in Bratislava, Slowakei entstanden.

Meine Assistentinnen Nathalie Himpel und Anna Schniersmeyer haben zusammen mit unserer Praktikantin Josephine Meyer nicht nur 2nd Hand-Läden im Umkreis nach groben Schnürschuhen durchsucht, sondern auch vor Ort den Kostümen noch den letzen Schliff verpaßt in Form von Längenangleichungen der unzähligen Rocksäume und Patina für alle Hemden, Jacken und Hosen, die da durch die Kamine kriechen sollten.

2011 Alles wird gut

Mehr Informationen zu „Alles wird gut“ hier...

Schauspiel- und Dokumentar-Spielfilm, Regie Niko von Glasow

Sei du selbst. Die Darsteller sollen unkostümiert im Kostüm stecken. Wer sie kennt, weiß, sie sind sie selbst.

Ursprünglich nur als Theaterstück im Rahmen des Sommerblutfestivals in Köln konzipiert, entstand hier quasi nebenher ein Film, der es bis zur Vorstellung auf der Berlinale schaffte. Schauspieler und Laien, mit und ohne Behinderung bewerben sich beim „Casting des Jahrhunderts“, werden aber in einer Art Abstellkammer vergessen. Dort entwickeln sich Gespräche, Beziehungen, es wird gelacht und geweint, und final erklären sich alle gemeinsam zu den Gewinnern.

So unterschiedlich die Personen dieses Stückes sind, so unterschiedlich diffizil die Behinderungen, so individuell sollten auch die Kostüme sein. Als Prämisse hier: jeder Darsteller ist als er selbst mit seinem eigenen Namen auf der Bühne und soll sich in seinem Kostüm nicht verkleidet fühlen. Somit war es für mich ein Prozess während der Proben, jede Bettina Muckenhaupt, Jana Zöll, Mirco Mohnshausen, Annika Reinecke, Manon Wetzel, Jan Dziobek, Milena Gülyeyüz, Marvin Fuchs, Oliver Grice, Christina Zajber, Sofia Plich, Christiane Grieb und Nico Randel genau zu beobachten. Was tragen sie selbst, wie sind ihre Vorlieben für Farben, Muster und Formen, wie kann ich mit meinem Kostüm dennoch ein Bild erschaffen, bei dem Farbe und Stofflichkeiten noch die Charaktere jedes Individuums unterstreichen. Nach und nach band ich die Kostümteile in die Proben mit ein, sodaß selbst der Regisseur, der sich sehr einfühlsam mit jeder Einzelperson befaßte um sie kennenzulernen und wiederum ihre Rollen individuell zu formen, zum Großteil nicht bemerkte, daß der Darsteller nun im Kostüm steckte.

Bei diesem Stück war ich auch für die restliche, spartanische Ausstattung sowie für die Maske zuständig und konnte auch im Rahmen des Sommerblut-Festivals Sofia Plich zu einem Gesangsauftritt in die Kölner Philharmonie begleiten, wo sie dasselbe Kostüm wie auf unserer Theaterbühne trug.

2010 Volles Programm

Mehr Informationen zu „Volles Programm“ hier...

Show im Schmidt Theater Hamburg, Regie Corny Littmann

60 Jahre TV-Geschichte mittels einfacher Stilmittel dargestellt. Von der einen auf die nächste Minute wechseln die Kostümteile auf einem Basiskostüm von Bonanza zu Erika Berger, von Ernie und Bert zu Tutti Frutti, von der Schwarzwaldklinik zu Raumschiff Enterprise.

Anja Majeski, Elena Zvirbulis, Götz Fuhrmann, Markus Richter und Nik Breidenbach schlüpfen hier als Premierenbesetzung in Rollen wie Spok, Adolf Hitler, Ratz und Rübe, Ernie und Bert, Herr Rossi, das Sandmännchen, Knightrider oder einem Familienmitglied der Cartwrights. Alle Darsteller tragen hier ein schwarzes Basiskostüm und binden sich entweder Lätzchen um, die jeweils stilisiert den klassischen Streifenpulli von Ernie oder die Uniform einer Lieutenant Uhura darstellen, streifen sich für die Besetzung der Schwarzwaldklinik OP-Kittel über, Michael Knight bekommt ein rotes Hemd mit integriertem Brusthaar-Toupet samt Bikerjacke, die Bonanza-Familie greift sich Gürtel, Cowboyhut und Lederweste, Fuzzy Bear wirft sich schnell seine gepunktete Schleife um den Hals, zieht Fell-Handschuhe
und Öhrchen-Mütze an, die Tutti-Frutti-Assistentinnen streifen Fruchtbikinis über, Erika Berger bekommt eine typische Perücke nebst knallrotem Blazer mit überdimensionierter Ansteckblume - fertig. Alle Umzüge müssen sekundenschnell passieren, daher sind hier spezielle Verschlüsse und Präparationen unumgänglich, teils nach Zwangsjacken-Prinzip nur einmal im Rücken geschlossen, während vorne alle Teile zu einem verbunden sind. Alle Kostümteile sind also ausgestattet mit der Überschrift „The show must (quickly) go on“. Bei rund 30 verschiedene Szenen ergibt das insgesamt knapp 200 Kostümteile, die es im Vorfeld zu überblicken und dann besonders auch auf Seiten- und Hinterbühne im Griff zu halten gilt. Volles Programm eben.

2009 Alice im Wunderland

Mehr Informationen zu „Alice im Wunderland“ hier...

Musical, Schmidt Theater Hamburg, Regie Christian Berg

Im zweiten Rokoko von Lewis Caroll verfaßt und dieser Epoche angeglichen tauchen die Fräcke, Krinolinen und Korsetts ein in verrückte Farbwelten und führen durch Alice’s Traumwelt im Kaninchenbau.

„Alice im Wunderland“ war das erste Musical, was ich ausgestattet habe. Hier habe ich gelernt große schnelle Verschlüsse in alle Kostüme einzubauen, damit alle Umzüge der wenigen Darsteller in die vielen verschiedenen Rollen sekundenschnell auf der Seitenbühne ohne Ankleider funktionieren können.

Wohingegen ich die abenteuerlustige Alice (Kristin Riegelsberger) natürlich wunderbar aufwändig in ein Korsett schnüren konnte - mein historisches Lieblings-Kleidungsstück überhaupt. Dazu einen mädchenhaft knielangen Rock mit Schürze, Unterrock und Rüschenunterhosen und Schnürstiefeletten mit geschwungenem Absatz.

Die Herzkönigin (Christian Berg) konnte ich ebenso in ein Korsett stecken, der Herzkönig (Timo Riegelsberger) liebte seinen zweifarbigen Herzanzug genauso wie der verrückte Hutmacher (Jan Rademacher) seine streifig gemalten Leinenhose, den ebenso bezogenen Zylinder, die Ringelstrümpfe und den Leinen-Frack mit Trachtenverschluß und die große steingraue Fliege, passend zu den grauen Haarfransen.

Ich liebte des Kaninchens ( überdimensionierte Kröse und des März-Hasens Tartan-Schwalbenschwanz mit Hasenohren-Revers, sowie der Maus Horn-Herzknöpfe an ihren Hosenträgen und ganz besonders den dicken Bauch der Grinsekatze, den ich in einen Frack aus Streifenleinen verpackte. Besondere Herausforderung war die rauchende Raupe auf dem Pilz - hier habe ich den ersten Schaumstoffkörper gebaut und Unmengen von Pattex verbraucht. Nicht nur bei den Karten-Soldaten konnte ich ausgiebig laienhafte Modisten-Erfahrung sammeln und habe mittels Wasserdampf und Trichter überm Kochtopf aus Filzstumpfen herzförmige Helme gezogen. Die Darstellerin der Raupe nannte ihre Turmfrisur aus Filz liebevoll „Scheißhaufen“ - dafür hat sie ihre straßbesetzte Schmetterlingsbrille sehr gern gehabt. Ich auch.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren, erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.